Pilgerbericht von Lydia Schüffler aus Hessen

(26.08.2014) — johannes.killyen

Angeregt und inspiriert wurde ich durch Berichte zum Lutherweg im ERF und durch Dokumentationen im TV über den Jakobsweg. Für mich kam der Jakobsweg nicht in Frage, da er m.E. touristisch ausgeschlachtet und überlaufen ist. Außerdem spreche ich die jeweiligen Sprachen nicht. So entstand die Idee in Deutschland zu pilgern, und mich gleichzeitig geschichtlich und kulturell auf die Spuren Luthers zu begeben. Die Idee nahm Formen an.

In den Osterferien besuchte ich die Wartburg und orientierte mich in Eisenach. Leider war das Lutherhaus wegen Renovierungsarbeiten geschlossen (bis Juli 2015). Das Landestheater veranstaltete aber im Juni die Uraufführung des Luther-Musicals. Dazu fuhren wir noch einmal nach Eisenach und wurden mit einer tollen Vorführung auf unsere erste Tour im Juli eingestimmt. Im Vorfeld war ich auch schon im Kammer-Musical der Katharina von Bora von Miriam Küllmer-Vogt ("Wenn Engel lachen - die Liebesgeschichte(n) der Katharina von Bora" ) Sie beschreibt die Geschichte Luthers aus Sicht (s)einer Frau. Unglaublich gut! Außerdem nahmen wir an einer Veranstaltung zum Reformationstag teil, den "Tischreden Luthers".

Das Ziel der ersten Etappe war es nicht zu uns selbst zu finden sondern das Weltkulturerbe und die Geschichte der Reformation näher kennenzulernen. Damit war die Pilgertour eigentlich keine reine Pilgertour. Es war eine Kombination aus Städtetour und Pilgern. In den fünf Tagen trafen wir keinen einzigen anderen Pilger. Dafür umso mehr Radfahrer. Der Lutherweg verläuft sehr oft mit dem Elberadweg zusammen.

Zahlreiches Prospektmaterial hatte ich mir über die Luther-Gesellschaft und Touristikbüros besorgt. Ausgerüstet mit dem Pilgerführer "Wandern und Pilgern auf dem Lutherweg in Sachsen-Anhalt", dem Pilgerpass und zahlreichen Prospekten und Infomaterial machten wir uns auf den Weg. Unsere Fahrt nach Wittenberg begann am 28. Juli 2014. Zu dritt machten wir uns auf den Weg. Mein Mann stellte das Begleitfahrzeug. Er transportierte das Gepäck von A nach B und ermöglichte uns damit ein unbeschwertes Pilgern mit leichtem Gepäck.

Zu Beginn verbrachten wir zwei Tage in der Stadt Wittenberg, machten eine ausgezeichnete Stadtführung mit, gingen die einzelnen Stationen mit Hilfe des Pilgerplans noch einmal für uns ab und hatten Spaß daran uns überall einen Stempel für unseren Pilgerpass zu holen. Die Stadtkirche und die Schlosskirche waren leider komplett geschlossen wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten für das Jubiläum 2017. Im Lutherhaus hielten wir uns über 3 Std. auf und lernten Martin Luther umfassend kennen. Ein großartiges Museum. Auch das Melanchthonhaus, die Cranachhöfe und vieles mehr gefielen uns ausgesprochen gut. In der Cranach-Druckerei lernten wir, dass der Stempel aus dem Lutherhaus nicht historisch belegt ist und es dieses Wappen so nie gegeben hat. Die Buchstaben dürfen nicht außen herum stehen. Übernachtet haben wir in den Gästezimmern der Adventgemeinde. Sehr zu empfehlen!

Am 3. Tag starteten wir zu unserer eigentlichen Pilgertour. Durch zahlreiche Baustellen und Umleitungen sind wir allerdings nicht an der Schlosskirche gestartet sondern kurz hinter dem Stadtausgang. Bei leichtem Nieselregen waren wir froh in Apollensdorf die erste Pilgerkirche zu erreichen. Liebevoll und mit Infoflyern werden hier die Pilger begrüßt. Wir haben uns in der offenen Flämingkirche sehr wohl gefühlt.

Weiter ging es nach Coswig. Dort besuchten wir die St. Nikolai-Kirche, die wiederum zugehängt war aber dennoch besichtigt werden konnte. Eine kleine spontane Führung durch einen Kulturführer machte es zu einem besonderen Erlebnis. Danach fuhren mit der Gierseilfähre über die Elbe und pilgerten bis nach Wörlitz. Dort war es zunächst nicht ganz leicht ein Quartier zu finden. Wir hatten nichts vorgebucht, da wir uns auf unserer 1. Pilgertour noch nicht genau wussten wie weit uns unsere Füße tragen würden. Bei einer privaten Pension fanden wir aber dann noch ein Quartier.

Am nächsten Morgen, dem 4. Tag wollten wir früh los, machten aber die Erfahrung, dass die St. Petri Kirche erst um 11 Uhr öffnete. Zur Überbrückung machten wir dann eine Gondelfahrt im Wörlitzer Gartenreich. So etwas Schönes habe ich selten gesehen! Der Aufschub hatte sich wirklich gelohnt. Die St. Petri-Kirche konnten wir dann aber auch noch besichtigen. Eine wunderschöne Kirche mit Bibelturm. Erst gegen 12 h ging unsere Pilgertour weiter über Vockerode, Schloss Luisium nach Dessau. Mit Hilfe der Tourist-Info fanden wir recht schnell eine Unterkunft. Dessau bietet leider nicht jeden Tag eine Stadtführung an. So mussten wir anhand eines Flyers den Kulturpfad alleine laufen.

Die Öffnungszeiten stimmten leider auch nicht überall mit den Öffnungszeiten der Flyer überein. Der Johannbau hat z.B. freitags geschlossen, sehr unglücklich, da viele Wochenendgäste gerade freitags kommen. An einigen Sehenswürdigkeiten bekamen wir dann aber doch noch unsere Stempel. So auch in der Johanniskirche. Von da aus ging es dann zum Georgium. Leider war auch hier das Schloss geschlossen weil es großflächig renoviert wird. Am letzten Tag konnten wir aus Zeitgründen nicht mehr pilgern, mussten wir doch auch noch 4 Std. bis nach Hause fahren. Deshalb fuhren wir von hier aus mit dem Auto nach Roßlau zur St. Marienkirche.

Dort war die Kirche geschlossen. Eine freundliche Nachbarin zeigte uns aber den Weg zum Pfarramt gegenüber. Dort wurden wir von einem preussisch-freundlichen Pfr. "empfangen". Er schloss uns die Kirche auf. Wir fuhren weiter nach Zerbst. Hier war der nördlichste Punkt unserer Tour. Bei St. Nikolai und der Trinitatis Kirche standen wir vor verschlossenen Türen. Eine freundliche Dame in der Nachbarschaft zeigte uns wieder das Pfarramt. Doch leider war niemand da. Schon ein wenig frustriert fuhren wir zur St. Bartolmäi Kirche. Hier hatten wir mehr Glück. Wir wurden von der Küsterin durch die Kirche geführt, die auch wegen einer Glaskunstausstellung nicht komplett offen war. Am letzten Haltepunkt fand ich dann auch einen großen Prospekt, in dem alle Öffnungszeiten der Kirchen standen und eine Telefonnummer an wen man sich wenden soll wenn die Kirche geschlossen ist. Es stellte sich heraus, dass dieser Prospekt der wichtigste gewesen wäre, den wir leider aber nicht zugeschickt bekamen. Wir hätten uns sehr viel Frust ersparen können wenn wir diesen Prospekt von Anfang an gehabt hätten.

In Zerbst ist man auf Touristen gar nicht eingestellt. Das erste Lokal war wegen Urlaub geschlossen, das Zweite hatte nur bis 14 h Mittagstisch. So bestand unser Mittagessen aus Kuchen und Kaffee stehend in einer Bäckerei. Danach traten wir unsere Heimfahrt an. Zuhause angekommen schauten wir uns den Luther-Film noch einmal auf DVD an und erkannten gleich einige Drehorte wieder. Von Fabian Vogt lesen wir noch das neue Buch "Geheimakte Luther". Die Sonderausstellung "Frauen der Reformation" im Schloss Rochlitz steht auch noch an. Alles in Allem war es eine traumhafte Pilgertour. Wir haben sehr viel erlebt und gesehen und sehr dankbar für die Informationen der Lutherweg-Gesellschaft. Vielen Dank für alle ausgearbeiteten Info-Materialien, ohne die uns diese Tour gar nicht möglich gewesen wäre.

Fazit


Reaktion von Viola Tiepelmann, Leiterin der Touristinformation Zerbst

Sehr geehrte Frau Schüffler,

vielen Dank, dass Sie uns geschrieben haben, denn nun können wir den Dingen doch etwas näher auf den Grund gehen.Zunächst möchten wir nochmals zum Ausdruck bringen, dass wir uns darüber freuen, dass Sie sich auf den Lutherweg begeben und Ihre Eindrücke geschildert haben. Nur so erhalten wir die Gelegenheit, etwas zu verändern oder auch Mängel abzustellen. Denn ganz egal, auf welchen Wegen Gäste nach Zerbst/Anhalt finden, wir wünschen uns stets zufriedene Gäste. Dafür arbeiten wir gern, nehmen Anregungen entgegen und Hinweise sehr ernst.

Auf Ihre Darlegungen hin habe ich bereits einige schriftliche Anmerkungen gemacht und die Rätsel, die sich mir aufgetan haben, konnten nun ganz schnell aufgeklärt werden. Da Sie stets von der St. Nicolai-Kirche sprachen, aber ganz eindeutig vor der St. Trinitatis-Kirche standen und auch deren Schaukasten fotografiert haben, konnten Sie unsere vorsorglichen Hinweise nicht finden. Das Ganze beruht also auf einem Irrtum. Bei der St. Nicolai-Kirche handelt es sich um die große, ganz dicht daneben stehende Ruine ohne Dach.

An diesem Denkmalobjekt befinden sich an zwei verschiedenen Eingangstüren der Name und historische Daten zur Kirche. Dies ist die Station auf dem Lutherweg, dort ist der Schaukasten mit den Telefonnummern und dem Hinweis auf die Tourist-Information angebracht.

Nichts desto trotz werden wir, lernend aus diesem Irrtum heraus, uns bemühen, auch an der St. Trinitatis-Kirche einen Hinweis auf die Nicolai-Kirche unterzubringen. Den Zutritt zur St. Trinitatis-Kirche können wir zwar nicht gewähren, aber bei der St. Nicolai-Kirche stehen wir gern unterstützend zur Seite. Dies haben wir schon häufig praktiziert und tun das auch gern in der Zukunft.

Im Hinblick auf weitere Planungen oder touristische Vorhaben möchten wir noch sehr gern darauf hinweisen, dass wir über einen Ortsprospekt verfügen, der ganz viele wichtige Informationen enthält. Gern ergänzen wir diesen auch mit weiteren, dem Gästewunsch entsprechenden, Informationsmaterialien und senden diese ganz unverbindlich und kostenfrei auf Anfrage zu.

Dies gibt für Reisevorbereitungen etwas Sicherheit und kann während der Pilgerreise, einer Radreise o.ä. wertvolle Zeit sparen. Wir stehen Gästen gern schon vor, während oder auch nach der Reise hilfreich zur Seite.

Mit freundlichen Grüßen aus Zerbst/Anhalt

V. Tiepelmann

Leiterin der Tourist-Information Zerbst/AnhaltIn zerbst

Christine Lieberknecht Guenther_Beckstein Jürgen Dittrich Reiner_Haseloff Matthias Rößler

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