Luther kehrt nach Mansfeld zurück

Darstellung des Heiligen Georg, der den Lindwurm besiegt, in der Kirche St. Georg in Mansfeld. Das Relief aus Lindenholz stammt aus dem 16. Jahrhundert. Foto: Voigt Vergrößern

(14.07.2015) — johannes.killyen

Der Legende nach besiegte Ritter Georg dereinst einen mächtigen Lindwurm. Von der Mansfelder Bevölkerung soll das Ungeheuer täglich eine Jungfrau gefordert haben. Erst das beherzte Eingreifen des mutigen Mannes setzte dem Spuk ein Ende. Ein Relief aus Lindenholz erinnert noch heute an diese Tat, um die sich zahlreiche weitere Legenden ranken. Viele Jahrhunderte hing die Tafel mit der eindrucksvollen Szene über dem Nordportal der Kirche St. Georg in Mansfeld. Inzwischen hat sie ihren Platz im Innenraum des Gotteshauses gefunden, wo ihr Umwelteinflüsse nicht mehr zusetzen.

Für die leere Fläche über dem Eingang hat sich die Kirchengemeinde etwas Besonderes einfallen lassen. Noch im Sommer wird dort der junge Martin Luther in einer symbolträchtigen Darstellung, entworfen und realisiert vom Hallenser Künstler Marc Fromm, angebracht.

Pfarrer Dr. Matthias Paul blickt zufrieden auf den Entwurf und kann die Realisierung kaum abwarten. Das klassische Apfelbäumchen, das man laut Luther gepflanzt haben soll, ist ein Teil der Darstellung, daneben dann der Reformator selbst im Kindesalter. Als Treckejunge, so hießen die Helfer im Kupferbergbau, die mit ganzem körperlichem Einsatz den beladenen Hunt transportieren mussten, stellt ihn der Künstler dar. Im Wagen sieht der Betrachter noch den Schwanz des besiegten Lindwurms. "Es steckt viel Symbolkraft in dem Bild", sagt Pfarrer Paul.

Die dazu gehörenden Buchstaben VDMA stehen für Verbum Domini Manet in Aeternum (Gottes Wort bleibt in Ewigkeit). Dieser biblische Gruß war der Ruf des Schmalkaldischen Bundes, des Verteidigungsbündnisses protestantischer Fürsten und Städte. "Auf dem Kirchenportal steht er nun für den wiederentdeckten und gereinigten Schatz: Das Wort Gottes - in verständlicher Übersetzung der Bibel - wird aus den Tiefen der Tradition geborgen und wird die Bildung in den deutschsprachigen Landen beflügeln", sagt Pfarrer Paul.

Der Theologe Cyriakus Spangenberg (1528-1604) war seit 1553 Stadt- und Schlossprediger in Mansfeld und ab 1559 Generaldekan der Grafschaft. Als Anhänger der Reformation lag ihm Luther immer am Herzen. In einem Predigtzyklus über die Reformation und den Reformator zog er Vergleiche zwischen dem Wirken Luthers und der Lebens- und Arbeitswelt eines Treckejungen aus dem Bergbau.

Die Kirche St. Georg besuchte Martin Luther als Kind ständig, ihre bis heute erhaltene Stundenglocke hörte er. In der Pfarrschule erhielten die Kinder eine ordentliche Ausbildung, Rechnen, Schreiben, Grundkenntnisse im Latein wurden unter anderem vermittelt. Der Rektor, Johann Ledener, war sogar Humanist. Zur Schule gehörte ein Chor, der in der Kirche sang. Es ist sogar möglich, aus alten Akten zu erschließen, welche Lieder Luther damals kannte. Bis zum Alter von 13 Jahren lebte er in Mansfeld, dann führte ihn sein Weg nach Magdeburg, um dort die Schule zu besuchen. Er kam mehrfach in seine Heimat zurück und predigte zweimal im Oktober 1545 in St. Georg.

Pfarrer Paul berichtet von der umfassenden Sanierung des Sakralbaus. Ein langer Weg, den die Kirchgemeinde beschreitet. Über Sponsoren, Fördermittel und eigene Mittel flossen allein in den vergangenen acht Jahren beträchtliche Mittel in die Erneuerung der Außenhülle. Das Dach wurde grundlegend erneuert, die Fassade einschließlich des Mauerwerks grundlegend instandgesetzt. Viel Zeit zum Luftholen bleibt den 200 Gemeindemitgliedern nicht.

Der wertvoll ausgestattete Innenraum harrt restauratorischer Arbeiten, das ganzfigurige Lutherporträt aus der Cranach-Werkstatt braucht ebenso Pflege wie ein Bild zur Auferstehung Christi von Lucas Cranach dem Jüngeren. Zu den Kunstwerken gehört eine manieristische Laien-Bibel an der Empore. Auf 54 Tafeln berichten die Malereien anschaulich über das Leben Jesu und seine Reden. Drei Altäre in der Kirche stammen vom Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts.

Autor/Foto: Klaus-Peter Voigt

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