Lutherforum mit Altbischof Axel Noack

Der frühere Bischof der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen war zu Gast in Saalfeld. Vergrößern

(11.09.2017) — johannes.killyen

Saalfeld/Kirchenkreis Saalfeld-Rudolstadt. Als 2009 die Evangelische Kirche Mitteldeutschland (EKM) gegründet wurde, standen in den bisherigen Landeskirchen Christoph Kähler in Thüringen und Axel Noack in Magdeburg an der Spitze der der jeweiligen Kirchenleitungen. Beide "Altbischöfe" waren jetzt innerhalb weniger Tage in Saalfeld zu Gast. Am Sonntag hat Bischof Kähler Gottesdienst und Gemeindefest in Graba mitgestaltet. Und am Donnerstag abend, 24. August im Meininger Hof, war Prof. Axel Noack, bis 2009 Bischof der Kirchenprovinz Sachsen der evangelischen Kirche in Magdeburg Gast des Lutherforums im Meininger Hof. Auch dieser ist in Saalfeld kein Unbekannter: Als ehemaliger Studentenpfarrer in Merseburg hat er noch manche Verbindung zu heutigen Saalfelder Gemeindemitgliedern.

Gastgeber Johannes Beleites hatte diesmal als Moderator wenig zu tun: Das Lutherforum beinhaltete einen spannenden Vortrag und anschließend eine lebhafte Diskussion mit Axel Noack.In seiner kurzen Vorstellung hatte Beleites darauf hingewiesen, dass er von Axel Noack gelernt habe, wie spannend Geschichte sein könne. Das durften die Zuhörer des Lehrbeauftragten für Zeitgeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle diesmal selbst erleben.

Denn der Abend über "Die Reformationsjubiläen in Vergangenheit und Gegenwart" verging wie im Flug, weil Axel Noack die Zuhörer mit seiner Präsentation von 500 Jahren Reformation vom ersten Moment an fesselte.

Während tiefgehende Konflikte vor 400 Jahren zwischen Evangelischen und Reformierten heute nur noch schwer vorstellbar waren, zeigte er in Richtung Gegenwart viele bekannte Bezüge. Das schloss auch ein unbequemes Thema wie Luthers Antijudaismus am Ende seines Lebens und die Instrumentalisierung Luthers im 3. Reich nicht aus. Besonders aber waren es die Wendungen des Lutherbildes in der DDR-Zeit und insbesondere das große Luther-Jahr 1983, die Gelegenheit zum Schmunzeln boten.

Überhaupt war das kennzeichnend für den Abend: Axel Noack präsentierte die Reformationsjubiläen mit leichter Hand und stets mit humorvollen Aspekten im Blick. So endete der Überflug durch das halbe Jahrhundert auch mit einem kritischen Blick auf das heutige Jubiläum und seinen kommerziellen Auswüchsen - und zugleich mit einem versöhnlichen Blick auf den Playmobil-Luther als das allen bekannte Symbol der Luthervermarktung.

In seinen Einschätzungen lieferte Noack ein ganzes Feuerwerk von Denkansätzen - jeder einzelne als Schlusswort geeignet. So wie den Gedanken aus Luthers Zeiten, dass jeder Mensch seine Berufung und seinen Beruf habe und die wichtigste sei es, Mutter und Vater zu sein. Hingegen sei das Bild vom Beruf heute auf die Erwerbsarbeit eingeschränkt. Mit Blick auf die Kirchengeschichte seit 1933 warb er in einem Plädoyer für die Pfarrer, die sich um Aussöhnung und Versöhnung bemühten. "Es galten immer nur die radikalen Kämpfer etwas - wie Martin Niemöller." Jene, die eine aussöhnende und vermittelnde Rolle einnahmen, wurde dagegen unterschätzt. Und zum wichtigen Thema Toleranz hatte er ein Plädoyer: Als Toleranz werde oft Indifferenz verstanden, die Auffassung, dass alles egal sei. Aber darum gehe es eben nicht. Man müsse vielmehr die Meinung des anderen stehen lassen, auch wenn man sie nicht teile oder ablehne.

In der Reihe der Lutherforen, die Johannes Beleites dreimal im Jahr im Städtedreieck und jeweils mit hochkarätigen Gästen organisiert, war das sicher der spannendste und kurzweiligste Abend.

Fotos und Text: Martin Modes



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