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St. Johannes und Paulus Moritz - Zerbst / Anhalt OT Moritz

Die Kirche „Sankt Johannes und Sankt Paulus“ in Moritz ist ein um 1200 errichteter am Ostende des SW-NO gerichteten Dorfes quer vor der Dorfstraße gelegener, geräumiger einschiffiger romanischer Feldsteinbau mit Schiff, gezogenem quadratischem Chor und halbrunder Apsis. Die an den Türeinfassungen und sonst gelegentlich durch Gommersche Bruchsteine ersetzten Findlinge sind sehr sorgfältig, fast würfelförmig behauen, an den Ecken des Gebäudes ganz quadermäßig bearbeitet und äußerst gleichmäßig geschichtet, was dem ganzen Gebäude ein sehr robustes Aussehen verleiht. Typisch ist die abfallende Staffelung der einzelnen Bauteile Turm, Schiff, Chor und Apsis von West nach Ost.

Der Turm in Schiffsbreite mit einem quer gestelltem Satteldach hat in der Glockenstube nach West und Ost je vier, nach Nord und Süd je zwei schlanke Rundbogenöffnungen, nach Nord und Süd darüber in den Giebeln für das Satteldach je noch eine desgleichen.

Das Südportal sowie die zur Nordseite gerichteten 4 Fenster des Schiffes und 2 Fenster des Chores sind noch in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Diese sehr hoch sitzenden Fenster kennzeichnen die ehemalige Wehrkirche. 1636 im Zuge des 30-jährigen Krieges wurde die Kirche so stark zerstört, dass darin keine Gottesdienste mehr stattfinden konnten. Mit dem Wiederaufbau im späten 17. Jahrhundert wurden die 6 Fenster zur Südseite sehr vergrößert und mit gelben und blauen Scheiben mosaikförmig verglast. Die kleinen Fenster der Nordseite erhielten ihre ursprüngliche Bleiverglasung zurück, die Schiffsfenster von West nach Ost in blau, grün, rot und gelb; die Chorfenster mit aufwendigen Blumenornamenten. Die 3 Fenster der Apsis wurden ebenfalls kunstvoll bleiverglast. Das Fenster zur Südostseite zeigt den Evangelisten Johannes, das zur Nordostseite den Apostel Paulus. Von diesen Fensterdarstellungen hat die Kirche ihren Namen. Das dritte Apsisfenster in der Mitte zur Ostseite zeigt im Mittelpunkt ein Schaf auf einer mit Klee und Gras bewachsenen Wiese unter einer dänischen Flagge. Darüber und darunter sind wieder Blumenornamente zu sehen.

Die Rundbogentür der Nordseite des Schiffes und die Priestertür an der Südseite des Altarhauses wurden zugemauert, die Priestertür wurde später wieder geöffnet und ist auch heute noch erhalten. Der Triumphbogen hat noch unverletzt, die alten sandsteinernen, als umgekehrte attische Basis gegliederten Kämpfer, ebenso der Apsisbogen die einfacher durch Plättchen, Platte und Plättchen übereinander vorkragend gegliederten.

In den flach gedeckten Innenraum wurden 1800 an der West- und Nordseite Emporen eingebaut. Um 1900 erweiterte man die Westempore nach Osten vorschwingend. Darunter befindet sich zum Schiff durch eine Holz-Glaswand abgetrennt die Winterkirche und in ihr der Zugang zum Turm und zu den Emporen.

Der barocke Altar trägt noch wohlerhalten die alte Deckplatte, welche ungewöhnlicherweise aus zwei nebeneinander gelegten Platten zusammengesetzt und ebenso ungewöhnlicherweise rings herum, auch an der Hinterseite genau wie der Triumpfbogenkämpfer profiliert ist. Auf dem von Doppelsäulen flankierten Altarblatt ist als Hauptbild die Kreuzabnahme Christi zu sehen, in der Predella wird das heiligen Abendmahl dargestellt.

Die barocke, hölzerne Kanzel am südlichen Triumpfbogenpfeiler hat an der Brüstung des Polygons schweres, aber gut gezeichnetes vergoldetes Rokoko-Ornament.

Der Taufstein ist mit Säule und Becken zweigeteilt aus gelbem Sandstein.

Von den ehemals zwei Glocken ist nur die kleinere, aber ältere erhalten. Mit einem Gewicht von 3000 Kilogramm und einem Durchmesser von 0,86 m stammt sie aus dem 15. Jahrhundert. Am Halse trägt sie die Umschrift AW . O . RAX . GLORIA . PAX UANI . PADAA. Die Buchstaben sind in flachem Relief mit stärker hervorgehobenen Rändern hergestellt, meist von kalligraphischen Schnörkeln begleitet. Dicht unter dem Anfangs-O steht ein 0,10 m langes Relief der Kreuzigungsgruppe mit Kleeblattausladungen an den Enden der Kreuzesarme; das Suppedaneum wenig über den (gedachten) Erdboden erhöht, die Füße des Gekreuzigten leicht übereinandergelegt; Maria und Johannes stoßen mit ihren Köpfen dicht an den Querbalken.

Die größere Glocke war ein Neuguss von Ch. H. Bartholy in Halberstadt von 1846 und wurde 1917 im Zuge des 1. Weltkrieges eingeschmolzen. 1929 wurde unter großen Feierlichkeiten erneut eine große Glocke geweiht. Aber auch sie fiel dem Krieg zum Opfer und wurde 1943 eingeschmolzen.

Zusammenfassung:

- erbaut um 1200

- spätromanischer Feldsteinbau mit Turm, Schiff, gezogenem quadratischem Chor und halbrunder Apsis

- original erhaltene romanische Fenster als Kennzeichen einer Wehrkirche an der Nordseite

- Barockaltar und Barockkanzel

- eine Bronzeglocke, 300 kg aus dem 15. Jahrhundert

St. Johannes und Paulus Moritz

Lindenweg 2a
39264 Zerbst / Anhalt OT Moritz

Fon 0162 / 7207175
Fax 032121024436

Öffnungszeiten
Tägliche Öffnungszeiten geplant.